Nachgedacht

Und David befragte Gott abermals und Gott sprach zu ihm: Du sollst nicht hinaufziehen hinter ihnen her, sondern umgehe sie, dass du an sie herankommst von den Bakabäumen her.

1. Chronik 14,14

Man sagt Männern oftmals nach, sie seien zu stolz, um hinter dem Steuer ihrer Autos nach dem Weg zu fragen. Sie irren lieber eine halbe Stunde umher, als dass sie jemanden um Hilfe bitten. Frauen, die dies auf dem Beifahrersitz miterleben müssen, werden ungeduldig, schauen ständig auf die Uhr und gehen förmlich die Wände hoch. Wenn dann das Fass allmählich überläuft, nehmen die genervten Gattinnen das „Steuer“ in die Hand: „Halt an! Dann frag' ich eben selber.“ Warum fällt es uns so schwer (Männern vielleicht etwas mehr als Frauen), andere um Hilfe, um einen Rat, einen Gefallen oder um eine Erklärung zu bitten? Ist es unser Stolz, die Angst, uns bloß zu stellen, der Wunsch nach Unabhängigkeit und Selbstständigkeit?

Die Philister bedrohen das Volk Israel zweimal kurz hintereinander. Das erste Mal fragt David Gott, ob er gegen die Philister kämpfen soll und ob Gott ihm den Sieg schenken wird. Die Antwort ist positiv und das Volk Israel erlebt mit Gottes Hilfe einen großen Durchbruch. Die Philister lassen aber nicht locker und formieren sich ein zweites Mal zum Kampf. Hätte sich David jetzt nicht denken können: Das erste Mal ist ja alles gut gegangen, es wird auch diesmal klappen? Jetzt weiß ich ja, wie ich diese Philister anpacken muss! Wir haben die Erfahrung eines bereits errungenen Sieges auf unserer Seite!

David räumt seinen Stolz aus dem Weg und befragt Gott abermals. Das Erstaunliche ist: Gott sagt dieses Mal David nicht nur, ob er in den Krieg ziehen soll oder nicht, sondern zeigt ihm auch noch, wie er es tun soll! Das Resultat ist ein zweiter, noch größerer Sieg. Könnte es sein, dass Gott umso „gesprächiger“ und detaillierter wird in seinen Antworten, je öfter wir ihn um Rat bitten? Wir kämpfen eher selten gegen Philister – wie steht es aber mit Entmutigung, Angst, Sorgen, Depression, Versuchung, Streit, Erschöpfung und schier unüberwindbaren Herausforderungen?

"Herr, mein Gott, schenke mir die Demut, die Zeit und vor allem die innere und äußere Ruhe, dich jeden Tag um deine Meinung und deinen Rat zu fragen."

Christian Frei

© Advent-Verlag Lüneburg - mit freundlicher Genehmigung