Nachgedacht

Sie werden hinfort nicht mehr lernen, Krieg zu führen.

Jesaja 2,4

Der Franziskanermöch Johannes Pauli (etwa 1455-1530) hat neben zahlreichen Predigten eine Sammlung von Schwänken hinterlassen. In einem davon heißt es: "Man zog einmal aus in einen Krieg mit großen Büchsen und vielen Gewehren, wie denn Sitte ist; da stand ein Narr da und fragte, was das für ein Leben wäre. Man sprach, man zöge in den Krieg. Der Narr fragte: ‚Was tut man im Krieg?' Man sprach, man verbrenne Dörfer und gewänne Städte und verderbe Wein und Korn und schlage einander tot. Der Narr fragte: ‚Warum geschieht das?' Man sprach, damit man Frieden mache. Da meinte der Narr: ‚Es wäre besser, man machte vorher Frieden, damit solcher Schaden vermieden bliebe. Drum bin ich klüger, als eure Herrn sind: Wenn es an mir läge, so wollte ich vor dem Schaden Frieden machen und nicht danach, wenn der Schaden geschehen ist.'"

In dieser Welt herrscht das Gesetz: Krieg schafft Armut, Armut schafft Demut, Demut schafft Frieden, Frieden schafft Wohlstand, Wohlstand schafft Hochmut, Hochmut schafft Krieg - und wieder beginnt dieser Kreislauf von vorn. Das gilt nicht nur im großen Maßstab, sondern auch für den Streit in der Ehe, Familie, Gemeinde oder Nachbarschaft. Wie können wir dieses satanische Gesetz, das seit Kains Brudermord herrscht, durchbrechen?

  Wir müssen auf Jesus Christus blicken, den großen Friedensstifter. Er sagt: "Lernt von mir; denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig; so werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen." (Mt 11,29) Mit einem, der sanftmütig und demütig ist und seine Ruhe in Gott gefunden hat, kann man keinen Streit anfangen. Warum nicht? Weil der so Gesinnte seinen Wert nicht in seiner Person, sondern in der Gewissheit "Gott liebt mich" gefunden hat, braucht er sein Ich nicht zu verteidigen. Gott macht ihn unverletzbar. Die Versöhnung mit Gott erfüllt ihm mit tiefem Frieden und weckt in ihm die Sehnsucht, überall Frieden zu stiften. Ein wahres Gotteskind!

Kurt Selchow

© Advent-Verlag Lüneburg - mit freundlicher Genehmigung